Im Rückspiegel

Ich dachte, dass Energie nicht verloren geht

von Markus Coenen

Foto: Manfred Antranias Zimmer

Physikunterricht, 7. Klasse.

Ein Satz, der sich eingebrannt hat: „Energie kann nicht verloren gehen, sie wird nur umgewandelt.“ Das klang damals logisch, beruhigend sogar. Eine verlässliche Konstante in einer Welt, in der alles andere unberechenbar schien. Schon damals. Viel früher. Als wir noch am Ozonloch gestorben sind.

Und heute? Heute schaue ich auf die Energiewende und frage mich, ob wir diesen Grundsatz nicht doch irgendwie außer Kraft gesetzt haben. Denn wenn ich mir meine Stromrechnung anschaue, dann sieht es ganz danach aus, als wäre Energie eben doch einfach weg – oder zumindest sehr gut versteckt.

Die Energiewende – eine Wende oder ein Kreisel?

Die Idee klang erstmal wunderbar: Wir lösen uns von fossilen Brennstoffen, verabschieden uns von Atomkraft und setzen auf Sonne, Wind und Wasser. Sauber, nachhaltig, zukunftssicher. Wer würde da widersprechen?

Aber wenn wir in den Rückspiegel schauen, dann sehen wir: So richtig gewendet wurde da noch nicht.

Stattdessen haben wir alte Abhängigkeiten durch neue ersetzt. Statt Kohle und Uran nun seltene Erden und Lithium. Statt Großkraftwerken nun Solaranlagen und Windparks, die ohne Speicher nicht funktionieren. Wir wollten uns unabhängig machen – und haben neue, nicht weniger komplizierte Netze der Abhängigkeit gewebt.

Erneuerbar oder nur erneuert?

Was bedeutet eigentlich „erneuerbare Energie“?

Der Begriff suggeriert ja, dass wir Energie einfach zurückholen können. So wie ein Baum nachwächst. Aber ist das wirklich so? Und machen Bäume das ohne Zutun? Wenn da nix mehr ist an Nährstoffen?

Die Sonne scheint, ja – aber nur tagsüber.

Der Wind weht – wenn er Lust hat.

Und plötzlich merken wir: Nicht die Energie ist das Problem, sondern unser Verständnis davon. Wir haben das Gefühl, wir müssten sie „gewinnen“, „verbrauchen“ und „vermehren“, während sie eigentlich schon immer da war. Vielleicht sollten wir nicht nach mehr suchen, sondern klüger mit dem umgehen, was wir haben.

Der wahre Energieverlust

Vielleicht ist der größte Energieverlust gar nicht physikalischer Natur. Vielleicht geht uns Energie an anderer Stelle verloren: • In endlosen Diskussionen über die „richtige“ Strategie.

• In der Angst vor Veränderungen, die uns längst überholt haben.

• In der Illusion, dass Technik allein unsere Probleme lösen wird, während unser Verhalten gleichbleibt.

In dem Gedanken, dass wir nur laut genug schreien müssen und dann wird schon irgendwer irgendwas machen.

• Denn was nützt die leistungsfähigste Windkraftanlage, wenn wir gleichzeitig jeden Winter Heizpilze aufstellen, weil wir auf der Terrasse nicht frieren wollen?

Nur mal so drüber nachgedacht…

Ein Gedanke noch

Die Wahrheit ist wahrscheinlich: Energie verschwindet nicht.

Aber sie wird nicht immer da genutzt, wo sie wirklich gebraucht wird. Vielleicht sollte die eigentliche Energiewende gar nicht auf unseren Dächern oder in unseren Steckdosen stattfinden – sondern in unseren Köpfen.

Und vielleicht hat das gar nichts mit Strompreisen zu tun.

Oder mit Energie?

Zur Person

Markus Coenen ist seit mehr als 15 Jahren Autorencoach, Spezialist für Buchmarketing, PR und Positionierung, Autor, Redner und Unternehmer. https://markus-coenen.de/

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