Christof Ronge kennt die Pflegepraxis von der Basis bis zur Leitungsebene. Der ausgebildete Gesundheits- und Krankenpfleger arbeitet seit Jahren in verantwortlicher Position und tritt jetzt, im Frühjahr 2026, für TEAM FREIHEIT zur Landtagswahl in Baden-Württemberg an. Sein Schwerpunkt: die zunehmend prekäre Versorgungslage im Land.

Das Gespräch
Ralf M. Ruthardt

Christof Ronge, Sie sprechen von einem strukturellen Problem in Baden-Württemberg, was die Pflege anbelangt. Woran machen Sie das fest?

Christof Ronge

Die Landespolitik hat die Rahmenbedingungen für Pflege und Gesundheitsversorgung in den letzten Jahren kontinuierlich verschärft. Krankenhausschließungen, steigende Investitionskosten und immer neue Vorgaben setzen die Einrichtungen massiv unter Druck. Besonders deutlich wird das an der neuen Heimbauverordnung, die Doppelzimmer abschafft und nur noch Einzelzimmer vorsieht. Was gut gemeint war – mehr Privatsphäre – führt in der Praxis zu Rückbau, Sanierungszwang und fehlenden Pflegeplätzen.

Ralf M. Ruthardt

Warum ist der verpflichtende Übergang zu Einzelzimmern Ihrer Ansicht nach problematisch?

Christof Ronge

Weil er an der Realität vorbeigeht. Doppelzimmer bieten mehr soziale Interaktion, denn viele Bewohner entwickeln echte Bindungen und stützen sich gegenseitig. Zudem sorgen sie für mehr Betreuungssicherheit, denn der Pflegeintervall ist im Doppelzimmer höher: Es kommt häufiger eine Fachkraft vorbei, schlicht weil zwei Menschen dort leben. Und: Selbst Ehepaare dürfen, wo möglich, künftig, wenn es nach der schwarz-grünen Landesregierung geht, nicht mehr in einem Zimmer zusammenwohnen. Das ist ein Eingriff in die Lebensgestaltung, den der Staat aus meiner Sicht nicht vornehmen darf.

Ralf M. Ruthardt

Die Landesregierung argumentiert mit Intimsphäre und moderner Wohnqualität.

Christof Ronge

Das ist nachvollziehbar – aber eben ein Beispiel für gut gemeint und schlecht gemacht. Wenn ein Bewohner ein Einzelzimmer möchte, soll er dieses selbstverständlich bekommen. Aber die Wahlfreiheit abzuschaffen und alle Heime zu teuren Umbauten zu zwingen, ist falsch. Viele Einrichtungen sind gerade einmal 20 Jahre alt und müssen nun komplett umgebaut werden. Das treibt Investitionskosten, die am Ende die Pflegebedürftigen selbst zahlen. Eigenanteile von 4.000 Euro im Monat sind heute schon Realität – und sie werden weiter steigen. Wer soll das bezahlen können? Hier bleibt die Landesregierung aus meiner Sicht den Wählerinnen und Wählern eine Antwort schuldig.

Ralf M. Ruthardt

Was bedeutet das Ihrer Einschätzung nach konkret für die Versorgung in Baden-Württemberg?

Christof Ronge

Zwischen 2026 und 2030 werden Pflegeplätze verschwinden. Nicht aus Personalmangel allein, sondern weil Gebäude nicht wirtschaftlich umgerüstet werden können. Kleine, oftmals familiengeführte Unternehmen werden vom Markt gedrängt – übrig bleiben große Trägerstrukturen. Das ist eine schleichende Monopolisierung und der Weg in eine planwirtschaftliche Pflege. Menschen in den östlichen Bundesländern könnten sich dabei an die ehemalige DDR erinnert fühlen.

Ralf M. Ruthardt

Nun sind Sie auf der Liste einer quasi Anti-Partei, nämlich TEAM FREIHEIT. Lassen Sie uns an Ihren konkreten Forderungen teilhaben, damit wir eine Vorstellung bekommen, wie TEAM FREIHEIT sich zu diesem Thema positioniert.

Christof Ronge

Mehr Gestaltungsfreiheit für Betreiber, Betroffene und Angehörige. Solange Zimmer den bisherigen DIN-Standards entsprechen, sollten sie weiter genutzt werden dürfen. Planungssicherheit statt ständig neuer Regelungen. Und vor allem Wahlfreiheit: Wer ein Einzelzimmer möchte, soll es bekommen. Wer im Doppelzimmer leben will – gerade auch Paare –, muss das weiterhin dürfen. Pflege darf nicht ideologisch verordnet werden, sondern muss sich an den Menschen orientieren.

Ralf M. Ruthardt

Das hört sich einfach an …

Christof Ronge

… und das ist es auch. Es kann nicht sein, dass in jeder Legislaturperiode Ministerinnen und Minister oder deren Umfeld auf Ebene der Staatssekretäre sich mit irgendeiner neuen Regelung oder Gesetzgebung verewigen wollen. Vielmehr ist es die aktuelle Aufgabe, dass Politik das Leben vereinfacht und Bürgerinnen und Bürgern mehr Freiheit zur Lebensgestaltung lässt. Ja, damit geht Eigenverantwortung einher. Aber mein Eindruck ist, dass die Menschen genau das wollen. Raus aus dem „betreuten“ Leben und rein in ein freies und selbstbestimmtes Dasein.

Zur Person

ist Pflegefachkraft und Fachwirt in Organisation und Führung im Sozialwesen, arbeitet leitend in der Pflege, engagiert sich humanitär und kandidiert 2026 parteilos. Seine Schwerpunkte sind: Pflegepolitik, Bürokratieabbau und eine praxisnahe, menschenorientierte Verwaltung.

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