Die Dieter-Schwarz-Stiftung hat in den vergangenen Jahren ein beispielgebendes Bildungsökosystem aufgebaut – von früher Förderung über Hochschulen bis zur angewandten Künstlichen Intelligenz. Im Gespräch erläutert Prof. Dr. Bärbel Renner, wie Bildung Handlungsfähigkeit schafft, Regionen stärkt und warum langfristige Investitionen entscheidend für gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit sind.

Das Gespräch
Ralf M. Ruthardt

Frau Prof. Dr. Renner, die Dieter-Schwarz-Stiftung verfolgt seit vielen Jahren einen bemerkenswerten gesellschaftlichen Ansatz. Was war – soweit Sie es aus der Nähe wahrnehmen – die ursprüngliche Motivation von Dieter Schwarz, sein Vermögen in Bildung und gesellschaftliche Projekte zu investieren?

Bärbel Renner

Der Unternehmer Dieter Schwarz gründete vor 25 Jahren seine Stiftung, um seine Heimatstadt und die Region stark zu machen für die Zukunft. Sein Motto lautet: „Bildung ist unser wichtigster Rohstoff.“ So startete die Stiftung zunächst mit der Förderung von Stiftungsprofessuren. Bald folgte die erste Bildungseinrichtung, die sich auf die Bereiche Kindergarten, Schule und Sprachförderung konzentrierte. Es folgte dann die Errichtung des Bildungscampus, der sich inzwischen in der dritten Erweiterungsstufe befindet, die Josef Schwarz Schule, die Erweiterung der experimenta zum größten Science Center Deutschlands sowie die Gründung der Campus Founders als großes Startup Center. Unser sicher größtes Projekt, der Innovation Parc Artificial Intelligence IPAI, feierte mit dem Spatenstich am 21. Oktober 2025 den Start der Bauarbeiten für ein 30 ha großes Gelände. Hier wird Europas größte Plattform für künstliche Intelligenz entstehen.

Ralf M. Ruthardt

Viele Menschen verbinden große Vermögen zunächst mit Luxus oder Distanz zur Gesellschaft. Inwiefern bietet das Wirken der Dieter-Schwarz-Stiftung ein Gegenmodell, das geradezu beispielhaft für gesellschaftliche Verantwortung steht?

Bärbel Renner

Unser Stifter stellt in der Tat das Gegenmodell dar. Er trägt in vielfältiger Weise zu einer positiven Entwicklung der Stadt und der Region bei und übernimmt in vielfältiger Weise mit einem außergewöhnlich großen Engagement gesellschaftliche Verantwortung.

Ralf M. Ruthardt

Die Stiftung ist in unterschiedlichen Bereichen aktiv – von Hochschulen und Forschung über Gründungsförderung bis hin zur frühen Bildung. Was ist die verbindende Leitidee, die diese Felder zusammenhält?

Bärbel Renner

Die verbindende Leitidee könnte man als eine „Bildungskette“ sehen. Wir beginnen mit einer Einrichtung für frühkindliche Förderung, widmen uns ebenso dem Bereich des Kindergartens wie der Grundschule – mit einem Fokus auf Sprachförderung. Die erwähnte experimenta begeistert junge Menschen ab drei für Naturwissenschaften und Technik und vermittelt anschaulich und spielerisch Fragen der Wissenschaft. An diese Förderung schließt sich ein einzigartiges Portfolio im Bereich von Hochschulen und Weiterqualifizierung an: neben der Hochschule für angewandte Wissenschaften Heilbronn gibt es auf unserem Bildungscampus einen Standort mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg zudem mit dem DHBW CAS die Masterstudiengänge der DHBW und mit der TU München sowie der ETH Zürich zwei Exzellenz-Universitäten von internationalem Format. Forschungseinrichtungen wie die Institute von Steinbeis, Fraunhofer und Max Planck runden dieses einzigartige Ökosystem ab. Wir sind überzeugt, damit eine Welt mitzugestalten, in der Bildung und Wissen allen offensteht, Innovation dem Wohle aller dient und die Lebensqualität kommender Generationen sichert.

Ralf M. Ruthardt

Sie selbst verantworten das gesamte Bildungsprogramm von der Schwangerschaftsberatung bis hin zu Angeboten für Jugendliche. Wie würden Sie den Kernauftrag Ihres Bereichs beschreiben?

Bärbel Renner

Derzeit erstreckt sich mein Verantwortungsbereich, wenn wir in einer Altersspanne denken, von 0–18 Jahren. Wir beginnen mit unserem Haus der Familie bereits bei der Beratung von Schwangeren.

Bildung stärkt von Anfang an

Mein Ziel ist es, Kinder und Jugendliche bestmöglich auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten und sie bestmöglich zu unterstützen. Daher liegt ein Schwerpunkt zum Beispiel auf der Sprachförderung. Hier stehen die Schulen aufgrund der zunehmenden Heterogenität der Klassen und unterschiedlicher Muttersprachen vor besonders großen Herausforderungen. Wir unterstützen aber auch im Bereich von KI in der Bildung, denn auch hier ergeben sich neue Aufgabenfelder. Uns ist es wichtig, Jugendlichen Mut zu machen und ihnen Orientierung zu geben. Dies kann für den einen ein besonderer Wettbewerb sein, bei dem seine Talente zum Tragen kommen, für den anderen ein Projekt im Jugendforschungszentrum der experimenta, um an einem Jugend forscht-Projekt mitzuwirken.

Ralf M. Ruthardt

Sie haben einmal gesagt: „Bildung garantiert Handlungsfähigkeit und schützt vor Angriffen.“ Können Sie an einem Beispiel erläutern, wie die Stiftung genau hier eine Schutz- und Stärkungsfunktion für Kinder, Jugendliche und Familien ausübt?

Bärbel Renner

Ich bin überzeugt, dass Sprache der Schlüssel für alles ist und die zentrale Kompetenz für jeden Bildungsweg. Zudem ist eine gute Medienkompetenz in Zeiten von Populismus und aufgeheizten Social-Media-Diskursen enorm wichtig, um sich reflektiert eine eigene Meinung zu bilden. Auch ein verantwortungsbewusster Umgang mit KI-Tools zählt für mich zu einer notwendigen Qualifizierung für Jugendliche. Daher bin ich überzeugt, dass wir gerade in herausfordernden Zeiten Bildung brauchen. Bildung ist der Schlüssel zu einer demokratischen Gesellschaft und auch einer prosperierenden Wirtschaft. Wir leben in ungewissen Zeiten, lieben aber natürlich alle mehr die Gewissheiten. Daher ist es eine große Verantwortung, Kinder und Jugendliche heute zu befähigen, mit Unsicherheit umzugehen und gut vorbereitet zu sein für ihren zukünftigen Weg.

Ralf M. Ruthardt

Viele Initiativen wirken kurzfristig, laufen sich dann aber tot. Was tut die Stiftung, um ihre Bildungsangebote langfristig zu sichern und dauerhaft gesellschaftlich wirksam zu halten?

Bärbel Renner

Sie sehen ja, wie umfangreich wir bauen und wie stark unser Bildungscampus inzwischen gewachsen ist. Derzeit errichten wir weitere 160.000 m² Fläche für den Bedarf der von uns geförderten Bildung und Wissenschaftseinrichtungen. Dies zeigt allein die Langfristigkeit unseres Engagements. Auch bei anderen Initiativen und Projekten ist es uns enorm wichtig, nachhaltig zu investieren und Bildungsangebote langfristig zu sichern.

Ralf M. Ruthardt

Wenn Sie in die nächsten 10 bis 20 Jahre blicken: Welchen Beitrag kann die Dieter-Schwarz-Stiftung aus Ihrer Sicht leisten, um Heilbronn – und vielleicht sogar Deutschland – in Fragen der Bildung und gesellschaftlichen Teilhabe spürbar voranzubringen?

Bärbel Renner

Ein Ökosystem für Morgen

Ich denke, in 10 bis 20 Jahren wird sich unser Innovationsökosystem weiterentwickelt haben. Das heißt, die Akteure werden sich noch intensiver vernetzt und gemeinsam an Innovationen gearbeitet haben. Denn Innovationen sichern unseren Wohlstand und sorgen für nachhaltige Prosperität. In zehn Jahren wird unser IPAI wohl vollumfänglich gebaut und im Einsatz sein. Er versteht sich als Europas größte Plattform für angewandte künstliche Intelligenz. Ziel ist es, Talente, Wissenschaftler, mittelständische Unternehmen und globale Konzerne an einem Ort zu vernetzen, um gemeinsam an einer europäisch souveränen KI-Landschaft zu arbeiten. Insbesondere auch eine ethisch verantwortungsvolle KI. Daher nennen wir den IPAI auch „Global Home of human AI“. Sicher werden sich aber auch alle unsere Bildungseinrichtungen weiterentwickeln und die Angebote entsprechend der Bedarfe im Bildungsbereich haben – ob es sich um benachteiligte Kinder oder hochbegabte Jugendliche handelt. Wie gesagt: wir möchten junge Menschen befähigen und motivieren, Zukunft zu gestalten. Dies ist in Zeiten, in denen uns oft der Optimismus abhandenkommt, wichtiger denn je.

Zur Person

studierte Germanistik und Geschichte in Tübingen und Wien, promovierte nebenberuflich an der LMU München. Nach Stationen im Verlagswesen hatte sie zehn Jahre eine Professur an der DHBW inne; sechs Jahre davon war sie Mitglied der Hochschulleitung. Von 2017– 2025 war sie in der experimenta tätig. Davon zweieinhalb Jahre als Geschäftsführerin. Seit April 2025 ist sie Geschäftsführerin der Dieter-Schwarz-Stiftung.

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