Mit creedle sollen christliche Inhalte im digitalen Raum sichtbarer werden. Im Gespräch erklären Tobias Kley und Micha Schlittenhardt, warum sie von einer digitalen Reformation sprechen.
Das GesprächFür was steht „creedle“, lieber Tobias Kley und Micha Schlittenhardt? Kann man das in drei, vier Sätzen erklären, um was es sich bei https:/ceedle.io/ und weshalb es eine digitale Reformation genannte wird?
Ja, wir sehen creedle als eine digitale Reformation. Mit der Reformation wurde Jesus wieder sichtbar. Genau das das ist unser Anliegen, für das sowohl viele Menschen beten als auch tatkräftig mitwirken: Jesus für die Menschen digital sichtbar machen. Deswegen haben wir u.a. zahlreiche Partnerorganisationen und rund 200 ehrenamtliche Theologen aus allen möglichen Denominationen eingebunden. Ich erinnere gerne an den der Appell Jesu: „Wer sucht, wird finden.“ Also haben wir uns die Frage nach einer Plattform für Zusammenarbeit gestellt. Damit wollen wir eine Alternative zu bisherigen Nischenlösungen bieten. Bisher macht jeder so sein eigenes Ding. Wir wollen als Christen unkompliziert, unkonventionell und barierrefrei die Menschen überall direkt dort mit unterschiedlichen Angeboten erreichen, wo sie sind. Medienübergreifend, generationsübergreifend, konfessionsübergreifend und Christuszentriert.
Das klingt vielstimmig – und birgt wo möglich das Risiko der Uneinigkeit in sich …
Unser gemeinsamer Nenner ist neben dem Apostolikum und dem Bekenntnis von Nizäa die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz. Diese haben wir mit drei Worten erweitert, die den Raum noch mehr öffnet: Christuszentriert, evangeliumsorientiert und lebensfördernd. Dadurch wird es ermöglicht, gemeinsam creedle als ein Ökosystem aufzubauen. Ein Ökosystem, durch das alle Christen alle Menschen mit dem Evangelium erreichen können.
Wer ist dabei das „wir“, die dieses Ökosystem aufbauen, betreiben und nutzen?
Bei creedle sind es rund 250 Ehrenamtliche und etwa 9 Hauptamtliche. Initiiert wurde creedle vor ein paar Jahren von Stefan Walliser, Julian Heusel und Tobias Kley. Tobias Kley ist ein Evangelist, der vor allem in der Arbeit mit Jugendlichen gemerkt hat: das Evangelium und was Christen der Gesellschaft zu bieten haben müssen dort sichtbar sein wo die Menschen tatsächlich suchen. Stefan Walliser ist ein IT-Architekt mit vielen Jahren Erfahrung, auch in internationalen Großprojekten. Die beide haben sich „gefunden“ und so konnte Tobias Kley seine Idee realisieren.
Was kennzeichnete die Anfänge dieser Idee?
Ursprünglich fing es mit einer Studie an. Die Frage war, wie oft wird nach „Glauben“ und nach „Jesus“ auf Google gesucht? Da kam dann im deutschsprachigen Raum auf über 130.000 Suchanfragen im Monat. Auffällig war, dass die Antworten meistens gar nicht aus dem christlichen Kontext gekommen sind. Oft waren es eher irgendwelche Dokumentationen, Wikipedia-Einträge oder Content der Mormonen oder Zeugen Jehovas. Da stellte sich erkennbar die Frage, wie wir als Christen auf die meist gestellten Fragen gemeinsam Antworten geben können, die auch von Suchmaschinen und KI-basierten Antworten ausgespielt werden. Heute steht dieser in meist einfacher Sprache geschriebene und SEO/GEO optimierte Content zur Verfügung. Diese Inhalte erreichen mittlerweile jeden Monat tausende Menschen, da creedle rockc die am schnellsten wachsende Themenautorität rund um Jesus Christus ist.
Eure Plattform creedle rockc in eurem Ökosystem beinhaltet Antworten zu Glaubensfragen. Dort können Menschen, die auf der Suche nach Jesus, Gott und dem Heiligen Geist sind, fundierte Antworten von denen bekommen, die Jesus kennen. Im Ökosystem von creedle findet man viele weitere Möglichkeiten: Suchende Menschen können über creedle mapc Kontakt zu Christen unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften vor Ort und deren Angebote recherchieren. Etliche andere Plattformen sind auch schon online und weitere Ideen in der Entwicklung. Was ist so der große Gedanke dahinter?
Kirchen und christliche Gemeinden erleben große Veränderungen. Wir haben den demografischen Wandel, ein verändertes gesellschaftliches Interesse an Kirche und eine zurückgehende Zahl von hauptamtlichen Mitarbeitern. Das sind nur einige der Herausforderungen. Zugleich entstehen neue Bewegungen, während bestehende Gemeinden oft kaum noch Nachwuchs haben. Auch Missionswerke kämpfen mit Veränderungen.
Chance - Zugehörigkeit zu christilichen Werten
Hier sehen wir eine Chance in der digitalen Welt. Mit creedle sollen Menschen unabhängig ihrer Konfession, Technologie und Zugehörigkeit zu Werken und Medien miteinander verbunden und zentral und barrierefrei informiert werden. Wir als westliche Christenheit brauchen eine innere Reformation um das Ziel zu erreichen, um hoffentlich eine gesellschaftliche Reformation anzustoßen. Unser großer Kritikpunkt im aktuellen Onlinemarkt besteht darin, dass christliche Inhalte bei relevanten Suchbegriffen oft schlecht gefunden werden. Daher haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, dies zu ändern und Menschen, die nach Jesus suchen, auf digitalem Wege zu erreichen und gleichzeitig aus den Nischenlösungen Einzelner herauszukommen Menschen sind es heute gewohnt beinahe alles an einem Ort zu finden, digital, wie bei Amazon oder direkt auf Google.
Euer Ökosystem von creedle wird also nicht nur zentral genutzt, sondern kann auch als technische Grundlage für eigene Markenauftritte dienen?
sichtbar & eigenständig
Genau. Ein Projekt kann unter eigener Adresse sichtbar bleiben und im Hintergrund dennoch auf die Architektur von creedle zugreifen. So lassen sich Inhalte, Karten, Gruppen oder später auch Gebetsräume in ein eigenes Schaufenster einbinden, ohne alles neu entwickeln zu müssen. Der Vorteil ist: Sichtbarkeit und Eigenständigkeit bleiben erhalten, während die technische Basis gemeinsam getragen wird.
Heißt das: creedle will nicht bestehende Anbieter verdrängen, sondern Infrastruktur bereitstellen?
So ist es. Wir wollen niemandem etwas wegnehmen. Im Gegenteil: Wir suchen bewusst die Zusammenarbeit mit bestehenden Lösungen, etwa bei Gemeindeverwaltung. Wenn Gemeinden, Werke oder Initiativen schon starke Angebote haben, dann ist das gut. creedle versteht sich eher als verbindende Ebene, also ein Ökosystem, in dem alles zusammenkommt, und das gemeinsam genutzt wird.
Nun arbeitet ihr denominationsübergreifend. Wie offen reagieren evangelische Landeskirchen, katholische Akteure oder andere Träger?
ökumenisch - und mehr?
Es gibt Interesse, aber auch Zurückhaltung. Manche beobachten zunächst, ob das Modell trägt. Gleichzeitig machen bereits Personen aus evangelischen und katholischen Zusammenhängen mit, ebenso Vertreter freikirchlicher und gemeinschaftlicher Werke. Unser Ziel ist klar: nicht im eigenen Milieu stehen bleiben, sondern Breite gewinnen. Das braucht allerdings Zeit, Vertrauen und sehr viel Gesprächsarbeit.
Dabei liegt der ökonomische Nutzen doch auf der Hand: Nicht jeder muss digitale Innovationen allein finanzieren.
Richtig. Genau darin liegt eine große Stärke. Wenn die Grundarchitektur steht, lassen sich neue Anwendungen günstiger entwickeln, als wenn jede Organisation bei null anfängt. Trotzdem gibt es Vorbehalte. Manche möchten ihren eigenen Namen stärker sichtbar halten, andere wollen erst genau verstehen, wer hinter den Inhalten steht und wie die Qualitätssicherung funktioniert. Deshalb arbeiten wir daran, Mandantenfähigkeit und individuelle Markenführung noch stärker auszubauen.
Ist creedle am Ende also eher wie eine Genossenschaft zu denken?
Der Vergleich ist nicht falsch. Vielleicht nicht im juristischen Sinn, aber im Geist schon. Vor allem wenn wir an den internationalen Ausbau der Idee denken: In verschiedenen Ländern sollen sogenannte Host-Teams entstehen. Das sind Verantwortungsträger aus unterschiedlichen theologischen Hintergründen vor Ort. Diese Teams kennen ihre kulturellen und theologischen Kontexte und übernehmen inhaltliche Verantwortung. Die technische Seite liefert creedle, aber Freigaben und Leitplanken kommen aus diesem gemeinsamen Gremium. So entsteht ein Ökosystem aus Kooperation, Supervision und gemeinsamer Vision.
Und das ist perspektivisch international gedacht, lieber Tobias?
Ja. Interessierte Länder, die etwas in diese Richtung umsetzen wollen, müssen nicht bei Null anfangen, sondern können creedle sowohl auf technischer Ebene als auch im Bezug auf die ideellen Strukturen und schon gemachten Erfahrungen aufbauen. Dabei kann man creedle wie einen LEGO-Baukasten verstehen: Jedes Land definiert individuell welche Thematiken oder Applikationen hilfreich sind in ihrem Kontext und welche vielleicht ganz neu entstehen müssen.
Zum Schluss noch die Frage nach der Reichweite: Wie stark ist creedle inzwischen im digitalen Markt angekommen?
Wir wachsen bislang organisch. Insgesamt hat creedle in den vergangenen zweieinhalb Jahren ca. 3 Millionen Menschen erreicht. Über creedle mapc wissen wir, dass 2025 durchschnittlich acht Personen pro Woche in einer Kleingruppe oder Kirche gelandet sind. Allerdings hat das für uns bisher keine große Relevanz, da creedle.io als Ökosystem erst 2027 an den Start geht. Bisher sind lediglich Beta-Versionen einzelner Plattformen am Start, um schon Rankings zu erzeugen. Das bedeutet, wir arbeiten mit Rolling Releases und Angebote gehen schon online, bevor sie endgültig ausgebaut sind. Dadurch bekommen wir früh Resonanz, testen im realen Betrieb, erzeugen Sichtbarkeit. Für mich ist das der entscheidende Punkt: Relevanz zeigt sich nicht zuerst in schönen Konzeptpapieren, sondern darin, ob Menschen die Inhalte tatsächlich finden und nutzen.
Zur Person
Tobias Kley ist Gründer und Global Ambassador von creedle. Er ist ein gefragter Speaker auf christlichen Events, ist gerne mit Jugendlichen in den Bergen unterwegs und investiert gerne in Menschen. Sein Lieblingswort ist “Tradivation”die Kombination von Tradition und Innovation.
Micha Schlittenhardt ist Teil der Geschäftsleitung und Product Owner für die Bildungsplattform creedle campuc. Der Doktorand (Südafrika) studierte Interkulturelles Management und Kommunikation (Deutschland), sowie Global Leadership (USA). Zuvor war er zehn Jahre in der Karlsruher Kommunalpolitik aktiv und engagiert sich ehrenamtlich für verschiedene Initiativen und Gründungen.
