Die Friedrich August von Hayek-Gesellschaft e.V. steht für den klassischen Liberalismus und für die Freiheit. Damit ist, so liest man auf der Internetseite der HAYEK-Gesellschaft, eine Gesellschaftsordnung gemeint, die „individuelle Freiheit schützt und der Kraft der Ideen Raum gibt. Sie agiert überparteilich und wendet sich an Meinungsführer in Wissenschaft, Publizistik und Unternehmerschaft. Mit vielfältigen Bildungsangeboten trägt sie die klassisch-liberale Sozialphilosophie im Geiste ihres Namenspatrons insbesondere an die junge Generation weiter.“ Der allgemeinen Öffentlichkeit, so scheint es Ralf M. Ruthardt, sind die HAYEK-Gesellschaft und die Argumente der sogenannten Österreichischen Schule zu wenig bekannt. Hier das Gespräch mit Prof. Dr. Gerd Habermann.
Das GesprächLieber Herr Prof. Dr. Gerd Habermann, danke für Ihre Zeit. – Wenn man über die HAYEK-Gesellschaft etwas erfahren möchte, dann ist man bei Ihnen als Initiator offensichtlich in besten Händen. Lassen Sie uns bitte zunächst verstehen, was Sie mit der Österreichischen Schule verbindet.
Schon in der Schulzeit wurde ich über Zeitungsartikel auf Hayek und besonders auch Wilhelm Röpke aufmerksam. Während der neomarxistischen Studentenrevolte in den 60ern und 70ern des vergangenen Jahrhunderts gab mir dann die Österreichische Schule von Menger über Böhm-Bawerk, dann Mises und Hayek das geistige Rüstzeug zum Streit mit den aggressiven Studenten. Auch sprach mich der (methodisch) individualistisch-verstehende Ansatz an – gegen die realitätsfernen makroökonomischen Modelle des damals bis heute grassierenden Keynesianismus.
In der Beschäftigung mit der HAYEK-Gesellschaft hat sich mir der Eindruck aufgedrängt, dass diese sich eher als eine elitäre oder wissenschaftsnahe Einrichtung versteht. Was möchte die HAYEK-Gesellschaft sein?
Wir sind eine Gesellschaft zur Förderung liberaler Wissenschaft und Bildung, namentlich von Jugendbildung. Zwar sind wir für jedermann grundsätzlich offen, wenden uns aber vor allem an Publizisten, Wissenschaftler, Unternehmer und vielversprechende junge Leute. Darüber verbreiten wir unsere Botschaften, über „opinion leaders“ also. Wir sind keine Massenbewegung, keine Agitprop-Truppe, natürlich sind wir auch überparteilich. „Elitär“ insoweit; meinetwegen.
In den vergangenen Jahren sind liberale oder liberal-konservative Argumente nicht unbedingt im Zentrum medialer Berichterstattung gestanden und keinesfalls als Leitlinie politischen Handelns in Deutschland wahrnehmbar gewesen. Was bedeutet dies konkret für die HAYEK-Gesellschaft? Wie erlebt man dort das Agieren von Medien und Politik?
Die Hayek-Gesellschaft wurde (1999) ja eben gegründet, weil die Lage so war und ist, wie Sie sie beschreiben. Inzwischen hat sie sich weiter „destruktionistisch“ (Mises) zugespitzt. Immerhin gibt es Gegenbewegungen, die in einigen Ländern sogar durchdringen (jüngst Milei in Argentinien). An der ökonomischen und sozialen Freiheit hängt das Überleben unserer Zivilisation. Durch die Verschlechterung unserer Lebensverhältnisse wird dies bald allgemein offenkundig werden, durch „pathologisches Lernen“, Lernen durch Leiden eben. Wir zeigen die ordnungspolitischen Alternativen zum Destruktionismus, besonders Egalitarismus, den „Weg aus der Knechtschaft“.
Wenn man Rechercheplattformen nutzt, dann wird über die eine und andere Streitigkeit innerhalb der HAYEK-Gesellschaft berichtet. So titelte der SPIEGEL am 31. Januar 2021 „AfD-Streit zerreißt liberale Hayek-Gesellschaft“. Wie sehr wirken die vergangenen Jahre noch nach? Hat man sich neu sortiert? Wie präsentiert sich und wie wirkt die HAYEK-Gesellschaft in 2025?
Ja, man wollte und will uns in die „rechte Ecke“ drängen. Wenn „Rechts“ Freiheit, Eigentum, Wettbewerb und Unternehmertum bedeutet, lassen wir uns das gern gefallen. Parteipolitisch sind wir nicht fixiert. Wir freuen uns über freiheitliche Elemente in allen Parteien. Eine echte Freiheitspartei haben wir in Deutschland derzeit nicht, von libertären Splittergruppen abgesehen.
Welche zentralen Erkenntnisse oder Leitlinien lassen sich heute aus der Österreichischen Schule für die Politik in Deutschland ableiten? Haben Sie zwei, drei konkrete Beispiele für Hayek’sche Argumente beziehungsweise Impulse?
Vor allem: dass bürokratischer Interventionismus als „Anmaßung von Wissen“ in die Sackgasse, in Armut und sozialen Niedergang führt, ja führen muss. Das wird ja nun immer offenkundiger. Mittelfristig bin ich optimistisch. Kurzfristig wird es steil bergab gehen.
Die Zeiten sind nunmehr für die Mittelschicht erlebbar wirtschaftlich schwieriger geworden und die geostrategischen Verwerfungen können – trotz des Rückzugs vieler Menschen ins Private – von uns als Gesellschaft kaum mehr ignoriert werden. Erwarten Sie vor diesem Hintergrund, dass die Leute sich vermehrt politisch einbringen? Welche Plattformen bietet die HAYEK-Gesellschaft, auf denen sich Menschen austauschen oder einbringen können?
Es geht vor allem um die „richtigen“, lebensfreundlichen Ideen. Wir verbreiten sie in Seminaren, etwa 40 regionalen Clubs, öffentlichen Veranstaltungen wie den Hayek-Tagen und dem „Forum Freiheit“ und auch über soziale Medien, individuellen Podcasts, über die private „Influencer-“ Arbeit jedes unserer Mitglieder. Wir haben etliche vorzügliche Streiter, die jeder für sich das Wichtige tun, die als Publizisten und Wissenschaftler – jeder ein Thinktank für sich – unsere Ideen verbreiten, und wir haben einflussreiche Verbündete.
Danke für die Einblicke und Ihnen alles Gute!
Zur Person
Gerd Habermann ist Wirtschaftsphilosoph, Publizist und Honorarprofessor an der Universität Potsdam. Er ist Initiator der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft, deren langjähriger geschäftsführender Vorstand er ist. Seit April 2025 ist er Ehrenvorsitzender. Er ist Träger des Roland-Baader-Preises 2022 und Mitglied der Mont Pelerin Society.



