Er hat Rechtswissenschaften studiert, war unter anderem als Unternehmer tätig und ist zuletzt als Autor bekannt geworden. Im Sommer 2024 hat er es mit „Gier nach Privilegien“ auf die SPIEGEL-Bestsellerliste geschafft. Nickolas Emrich bringt nun seine vielseitigen Erfahrungen und sein Engagement in die Friedrich August von Hayek-Gesellschaft e. V. (Berlin) ein. Hierzu hat Ralf M. Ruthardt ein Gespräch mit Nickolas Emrich geführt. Die beiden kennen sich u. a. im Kontext ihrer Autorentätigkeit seit einigen Jahren.

Das Gespräch
Ralf M. Ruthardt

Die HAYEK-Gesellschaft steht für die Österreichische Schule und damit verbunden für Freiheit und den klassischen Liberalismus. Du bist, lieber Nickolas Emrich, Mitte März 2025 in den Vorstand der HAYEK-Gesellschaft gewählt worden. Gib uns bitte zwei, drei Hinweise, was dich mit der Österreichischen Schule verbindet und welche Bedeutung für uns in Deutschland die Lehren Hayeks haben.

Nickolas Emrich

Beim Schreiben meines Buches wurde mir noch einmal deutlich, wie stark die Ideen der Österreichischen Schule die richtigen Antworten auf die Fragen unserer Zeit liefern. Was mich besonders mit ihr verbindet, ist ihr tiefes Vertrauen in die Fähigkeit des Einzelnen, Verantwortung zu übernehmen und die eigene Lebenssituation zu gestalten. Die Österreichische Schule erinnert daran, dass Ordnung aus Freiheit wächst, nicht aus Planung. Hayeks Warnung vor der schleichenden Aushöhlung der Freiheit durch gut gemeinte, aber übergriffige Politik ist heute aktueller denn je. Seine Mahnung, dass kein Zentralorgan die Vielfalt, das Wissen und die Lebensrealität der Menschen überblicken kann, ist für unser Land eine zentrale Lehre: Wir brauchen wieder Vertrauen in die spontane Ordnung der Gesellschaft, in die Vielfalt an Lebensentwürfen und in die Kraft, die entsteht, wenn Menschen ihre Angelegenheiten eigenverantwortlich regeln dürfen – nicht, weil der Staat sie allein lässt, sondern weil er ihnen Raum lässt. Hayek, der vor knapp 50 Jahren seine Nobelpreisrede hielt, erklärte es so: „Dass in die Ordnung einer Marktwirtschaft viel mehr Wissen von Tatsachen eingeht, als irgendein einzelner Mensch oder selbst irgendeine Organisation wissen kann, ist der entscheidende Grund, weshalb die Marktwirtschaft mehr leistet als irgendeine andere Wirtschaftsform.“

Ralf M. Ruthardt

Welche Motivation hast du, dich in der HAYEK-Gesellschaft zu engagieren?

Nickolas Emrich

Ich glaube nicht, dass wir uns aus der aktuellen gesellschaftlichen Schieflage herausregulieren können – wir brauchen wieder Vertrauen in Selbstverantwortung und freie Strukturen. Die Hayek-Gesellschaft bietet dafür Raum – nicht für Parteipolitik, sondern für geistige Orientierung. Mich motiviert der Gedanke, dass gute Ideen nur dann Wirkung entfalten, wenn Menschen sie vertreten, verteidigen und lebendig halten. Die Hayek’sche Idee von Ordnung durch Freiheit ist keine nostalgische Reminiszenz, sondern eine Antwort auf viele Fragen der Gegenwart. Ich sehe die Gesellschaft auch als Ort der Verantwortung: Wenn man überzeugt ist, dass bestimmte Denkansätze dem Land guttun würden, dann sollte man sie nicht nur denken, sondern auch sichtbar machen. Deshalb schreibe ich Bücher und deshalb engagiere ich mich in der HayekGesellschaft. Um es wieder mit Hayek zu sagen: „Die Freiheit kann nur erhalten werden, wenn sie nicht bloß aus Gründen der erkennbaren Nützlichkeit im Einzelfalle, sondern als Grundprinzip verteidigt wird.“

Ralf M. Ruthardt

Die HAYEK-Gesellschaft hat ja durchaus bewegte Jahre hinter sich, in denen es um die Ausrichtung des Vereins ging. Welchen Beitrag möchtest du als Mitglied des Vorstands leisten? Wo siehst du das Potenzial beziehungsweise die Chance, etwas zu bewirken?

Nickolas Emrich

Die Hayek-Gesellschaft hat in der Vergangenheit zweifellos Herausforderungen durchlebt, besonders in Bezug auf ihre Ausrichtung und die Frage, wie sie sich für die Zukunft positionieren möchte. Als Mitglied des Vorstands möchte ich vor allem dazu beitragen, die Gesellschaft zu einer noch schlagkräftigeren Institution zu machen, die sowohl in ihrer wissenschaftlichen Arbeit als auch in ihrer öffentlichen Wahrnehmung an Bedeutung gewinnt. Ich sehe großes Potenzial in der systematischen Nutzung moderner Kommunikationskanäle. Gerade junge Menschen sind zunehmend in digitalen Räumen wie Instagram, LinkedIn und vor allem auf Plattformen wie YouTube aktiv. Die Hayek-Gesellschaft sollte dort stärker vertreten sein, um nicht nur ein breiteres Publikum zu erreichen, sondern auch den Dialog mit der jüngeren Generation zu fördern, den Nachwuchs zu mobilisieren und den Austausch über die Österreichische Schule der Nationalökonomie und die Prinzipien des klassischen Liberalismus auf eine neue Ebene zu heben. In Bezug auf die inhaltliche Ausrichtung der Hayek-Gesellschaft sehe ich eine Möglichkeit, den Fokus auf die Kernthemen der Österreichischen Schule zu verstärken und gleichzeitig exklusive Formate für Mitglieder zu entwickeln. In diesem Zusammenhang halte ich es für wichtig, dass die Gesellschaft nicht nur als wissenschaftliches Netzwerk, sondern auch als Plattform für den Austausch von Ideen, die den politischen und wirtschaftlichen Diskurs beeinflussen können, wahrgenommen wird. Ich bin überzeugt, dass die Hayek-Gesellschaft noch viel Potenzial hat und würde mich freuen, meinen Beitrag dazu zu leisten, dass wir als moderne, zukunftsorientierte und dynamische Institution noch mehr Wirkung entfalten.

Ralf M. Ruthardt

Welche Veranstaltungen der HAYEK-Gesellschaft erscheinen dir für die Leserschaft als nennenswert?

Nickolas Emrich

Die Hayek-Gesellschaft hat eine Vielzahl von Veranstaltungen, die nicht nur für ihre Mitglieder, sondern auch für die breitere Öffentlichkeit von Bedeutung sind. Besonders hervorzuheben sind natürlich die Hayek-Tage. Ich erinnere mich an die letzten Hayek-Tage, bei denen der argentinische Präsident Javier Milei die Hayek-Medaille verliehen bekam. Ich hatte das Privileg, seine Rede live zu erleben, und es war eine beeindruckende Erfahrung. Milei, eine umstrittene Persönlichkeit, hat nicht nur als Politiker, sondern auch als Denker und Kenner zahlreicher bedeutender Werke die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich gezogen. Seine Rede war sehr persönlich, mit einer Klarheit und einer humorvollen Leichtigkeit, die ihn als pragmatischen Denker und überzeugten Verfechter der individuellen Freiheit präsentierte. Trotz seines markanten Slogans „Viva la libertad – carajo!“ vermittelte er eine tiefe Nachdenklichkeit und Sensibilität. Was mich besonders beeindruckt hat, war, wie Milei seine eigene politische Entwicklung beschrieb und den Wert von Märkten und freiem Unternehmertum betonte, um Wohlstand und Freiheit zu fördern. Diese Rede hat mir erneut verdeutlicht, wie relevant und wichtig es ist, dass die Hayek-Gesellschaft solchen Persönlichkeiten eine Plattform bietet, die nicht nur für ökonomische Theorien eintreten, sondern auch praktisch die Prinzipien der Freiheit verteidigen. In einer Welt, in der Freiheit und individuelle Rechte zunehmend herausgefordert werden, ist es unerlässlich, diese Stimmen zu hören und zu stärken. Natürlich gibt es auch viele andere Veranstaltungen der Hayek-Gesellschaft, die ebenfalls sehr bedeutend sind, wie das Forum Freiheit, das eine hervorragende Gelegenheit für den Austausch und die Diskussion von freiheitlichen Ideen bietet, sowie die Juniorenkreise, die eine wichtige Plattform für den Nachwuchs schaffen. Diese Formate sind entscheidend, um die nächsten Generationen von Liberalen und Libertären zu fördern und den Austausch innerhalb der Szene zu intensivieren.

Zur Person

Nickolas Emrich verzeichnet beeindruckende Erfolge als Franchisenehmer, renommierter Autor und engagierter Polizist. Studium der Rechtswissenschaften, anschließend Unternehmer u. a. als Franchisenehmer bei immergrün. Anschließend eine Ausbildung bei der Polizei und eine Laufbahn bis zum Ausbilder. Autor von mehreren Büchern, darunter sein aktueller Bestseller „Gier nach Privilegien“ (FBV Verlag).

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