Es ist kein übliches Interview. Es ist ein Gedankenaustausch – und genau das soll es sein. Joana Cotar spricht über politische Entfremdung, Medienkritik und ihren Weg vom Bundestag in die außerparlamentarische Öffentlichkeit. Sie fordert mehr Bürgerbeteiligung und echte Debatten. Dabei stellt sie sich gegen den Rückzug ins Private, zu der sich viele Menschen – ob deren Entfremdung von Politik – entschlossen haben.

Das Gespräch
Ralf M. Ruthardt

Joana Eleonora Cotar wurde 2017 in den Deutschen Bundestag gewählt und war dort bis November 2022 Mitglied der AfD-Fraktion. Anschließend, bis zum Ende der Legislaturperiode im März 2025, war sie fraktionslose Abgeordnete. Liebe Joana Cotar, ich freue mich sehr auf unser Gespräch. Seit Ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag sind Sie mir geradezu täglich in den sozialen Netzen präsentiert worden – und ich habe gesehen, dass Tausende von Kommentaren zu Ihren Positionierungen voll Lob und Anerkennung sind. Was haben die letzten Wochen und Monate mit Ihnen gemacht und welche Erkenntnisse sind im Kontext von Interviews und dem Austausch in den sozialen Netzen dazugekommen? Oder anders gefragt: Wie geht es Ihnen?

Joana Cotar

Zum einen geht’s mir sehr gut. Ich hatte tatsächlich befürchtet, dass sich nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag so eine Art Wehmut oder ein Bedauern einstellt. Schließlich kann ich dort jetzt nicht mehr mitreden. Aber das ist tatsächlich ausgeblieben. Der Bundestag fehlt mir also nicht, aber ab und zu ärgere ich mich, dass ich nicht mehr im Plenum zu Wort komme und Friedrich Merz und anderen widersprechen kann. Deswegen habe ich nach anderen Wegen gesucht, um mich zu Wort zu melden und meine Erfahrungen und Argumente in die Diskussion einzubringen. Meine aktuelle Erfahrung hat gezeigt, dass ich über die sozialen Netzwerke eine Menge Leute erreicht habe. Meine Einstellung zur Politik hat sich seit dem Ausscheiden aus dem Bundestag nicht geändert. Ich bin engagiert und mir liegt Politik immer noch am Herzen. Sie haben es ja bereits angesprochen, dass ich mich in vielen Interviews zu dem geäußert habe, was ich im Bundestag tatsächlich erlebt habe. Dieser Blick hinter die Kulissen hat viele Menschen sehr überrascht und beschäftigt. Es gilt, grundsätzliche Fragen zu stellen – das geht über die Frage, welche Partei man wählt, weit hinaus.

Ralf M. Ruthardt

In einem Interview habe ich von Ihnen gehört, dass dem Grunde nach keine der Parteien im Bundestag besser als die andere sei. Sie haben auch darauf hingewiesen, dass Bürgerinnen und Bürger eine Veränderung wählen – und dann doch wieder das bekommen, was sie eigentlich abgewählt haben.

Joana Cotar

Man wählt und hat das Gefühl, dass sich jetzt etwas ändern wird. Schlussendlich wird man wieder geradezu betrogen. Bundeskanzler Friedrich Merz hat das gemacht, noch bevor er zum Kanzler gewählt wurde. Deswegen müssen wir uns ganz andere Fragen stellen. Die Resonanz der Leute auf meine Hinweise, welche das sind, ist sehr positiv. Deshalb stimmt mich das hoffnungsvoll.

Ralf M. Ruthardt

Mich überrascht, dass Sie hoffnungsvoll sind. Bitte teilen Sie mit uns diese Hoffnung, wo doch so viel Irritation, Frustration und Resignation in Deutschland begründeter Weise vorhanden ist. Und um es zu versachlichen, weise ich auf die Verbundenheitsstudie des Rheingold-Instituts hin: Dort wurde festgestellt, dass 89 % der befragten Menschen in Deutschland die Gesellschaft als gespalten sehen.

Joana Cotar

Sehen Sie, es war früher nicht ganz so einfach, zu den Leuten durchzudringen. Ich möchte den Menschen erklären, dass wir grundsätzliche Probleme haben. Und durch die sozialen Medien und die alternative Presse ist das heutzutage viel leichter möglich. Wir müssen würdigen, dass die meisten Leute in ihrem Alltag gefangen sind. Die gehen zur Arbeit, kümmern sich um ihre Kinder, sind ehrenamtlich in Vereinen engagiert – und müssen oftmals mit dem durch die Inflation geringer gewordenen Realeinkommen umgehen. Die Menschen sind ausgelastet oder gar überlastet. Sie überlegen dann fieberhaft, wen sie wählen können, damit sich das ändert. Also welche Partei das kleinere Übel ist, welche am wenigsten schadet. Meiner Meinung nach ist das jedoch genau verkehrt. Wir sollten als Gesellschaft nicht danach entscheiden, welche Partei am wenigsten Schaden in Deutschland anrichtet, sondern was wir in unserem Parteiensystem ändern müssen, damit es besser wird. Es geht darum, dass Deutschland wieder auf einen „grünen Zweig“ kommt. Ich habe den Eindruck, dass jetzt viele Menschen bereit sind, darüber nachzudenken. Viele Menschen sind auch bereit, über die Freiheit nachzudenken. Die Freiheit ist in Deutschland jahrelang von der Politik und weiten Teilen der Medien mit Füßen getreten worden. Spätestens seit der Corona-Krise sind viele Menschen aufgewacht und haben erkannt, dass Politik ihnen einfach so die Grundrechte wegnehmen kann. Das war etwas, was viele Leute und auch ich nie für möglich gehalten hätten. Die Abwehrrechte der Bürger gegenüber dem Staat zählen offensichtlich nichts mehr. Schauen wir auf die „Aktionstage gegen Hass“ im Internet oder nehmen Sie beispielsweise die Hausdurchsuchungen und Prozesse bei Michael Ballweg. Ballweg saß mehrere Monate in Haft – letztendlich wohl wegen 19 Euro angeblicher Steuerhinterziehung. Da fragt man sich, was passiert, wenn man sich selbst engagiert und Demonstrationen gegen die Entscheidungen der Regierung initiiert. Was die Menschen lange ignoriert haben, das lässt sich jetzt nicht mehr unter dem Teppich halten. Es geht grundsätzlich etwas sehr schief in Deutschland. Die Menschen sind bereit, darüber nachzudenken und drängen darauf, dass sich etwas in ihrem Sinne ändert. Erkennbar agieren die Bundesregierungen spätestens seit der „Ampel“ gegen eine bürgerliche Mehrheit.

Ralf M. Ruthardt

Mein Eindruck ist, dass während der 16 Jahre Kanzlerschaft von Frau Dr. Angela Merkel es für weite Teile der Menschen ein angenehmes Gefühl war, sich einer angeblich alternativlosen Politik und einem womöglich mütterlichen Kümmern anzuvertrauen. Man ist seiner Arbeit nachgegangen, hat sich um ein schöneres Auto gekümmert, hat überlegt, in welchem Land man bisher noch keinen Urlaub verbracht hat. In den sozialen Netzen und vor den digitalen Endgeräten hatte man seine Unterhaltung – und bei Live-Konzerten oder im Fußballstadion seine gesellschaftlichen Höhepunkte. Dann kam die Pandemie. Und Corona hat uns überrollt. Als Gesellschaft sind wir nahezu komplett in Reih und Glied gestanden. Manche ohne Nachzudenken. Manche aus Überzeugung. Und andere, um ja nicht aufzufallen. Letztere haben schnell begriffen, dass man mit einem Polizeiauto quer durch einen Stadtpark verfolgt werden kann, wenn man keine Maske trägt. Jetzt stellen wir fest, dass wir als Bürgerinnen und Bürger der Politik, den Medien und den staatlichen Institutionen in weiten Teilen kritisch gegenüberstehen. Wir fühlen uns zunehmend nicht mehr so sehr verbunden, wie das vor Jahrzehnten noch der Fall gewesen ist. Dabei könnte unsere Positionierung dahin gehen, dass wir uns auf unsere bürgerlichen Rechte und Pflichten konzentrieren und diese wahrnehmen. Wir könnten uns vermehrt parteipolitisch konstruktiv einbringen und nicht nur den Unmut mehr oder oftmals auch wenig qualifiziert den sozialen Netzen anvertrauen. Wir könnten die Perspektiven wechseln, unsere Sicht reflektieren und damit unsere Argumentation justieren. Schaffen wir es als Gesellschaft, dass möglichst viele Bürgerinnen und Bürger sich außerparlamentarisch am Diskurs beteiligen und damit den Mandatstragenden in unserer parlamentarischen Demokratie eine Wegweisung beziehungsweise Rückenstärkung geben? Wäre es nicht ein versöhnendes Momentum, wenn im Bundestag nicht mehr wohl kaum eine Handvoll Personen die Hunderte von gewählten Repräsentanten dominieren? Hätte das nicht etwas Konstruktives und Versöhnendes?

Joana Cotar

Das ist eine schwierige Frage. – Also, Sie haben recht und ich habe früher auch immer gesagt, dass in der Regierungszeit von Merkel das Motto in Deutschland galt, die „Mama Merkel und Vater Staat“ kümmern sich schon um uns. Selber denken gilt in Deutschland als nicht erforderlich, das überlassen wir den Politikern. Die Regierung wird schon für uns sorgen. Die Regierung redet einem ein: Du brauchst als Bürger keine Angst zu haben, wir beschützen dich. In der DDR war es ja auch ein antifaschistischer Schutzwall und keine Mauer, an der Menschen erschossen wurden, die nur versuchten, das Land zu verlassen. Diese Narrative gilt es zu durchbrechen, gemeinsam.

Ralf M. Ruthardt

Narrative und Framing – Worte schaffen Wirklichkeiten, wenn man nicht mit selbstbestimmtem Denken dagegenhält und prüft, was einem von Politik und Medien gesagt wird.

Joana Cotar

Langsam wachen mehr und mehr Menschen auf. Die merken, dass ja genau das Gegenteil von dem geschieht, was man eigentlich haben möchte. Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis wir lagerübergreifend wieder in den Diskurs kommen werden. Im Moment habe ich das Gefühl, dass sich die Gesellschaft mit jedem Monat mehr spaltet. Klar, es gibt ja genug Themen, die dazu genutzt werden können. Wenn wir ein paar Jahre zurückgehen, dann hat es mit der Migrationskrise angefangen. Irgendwann hatten wir die Corona-Zeit. Heute haben wir den Russland-Ukraine-Krieg und die maßgeblich durch die Energiekosten angetriebene Inflation. Letztere hat dauerhaft die Kaufkraft der Menschen geschwächt, auch wenn es die Leute unterschiedlich hart trifft. Dann sind da Israel und die Palästinenser in Gaza. Wieder stellt man fest, wie sich die Lager weiter aufspalten.

Ralf M. Ruthardt

Es ist ja auch unübersichtlich geworden: Vielleicht war jemand für die Aufnahme der Flüchtlinge, aber gegen die Impfpflicht. Heute ist er womöglich für die Unterstützung der Palästinenser, aber gegen eine bedingungslose Unterstützung der Ukraine. Sodann wieder für eine Vermögenssteuer, aber bei der Abschaltung der Kernkraftwerke hat er dies unlogisch empfunden, weil man darüber CO2 eingespart hätte und nicht das dreckige LNG-Gas in diesem Umfang gebraucht hätte.

Joana Cotar

Ja, es ist so, dass Leute für irgendwelche Partikularinteressen auf die Straße gehen und das große Ganze aus dem Blick verlieren. Sie hatten vorher ein weiteres Problemfeld angesprochen: den Rückzug des Einzelnen ins Private. Ich bin ehrlich, ich hatte für mich diesen Gedanken auch: mich nach meiner Zeit im Bundestag und nach zehn Jahren Parteiarbeit zurückzuziehen. Der Gedanke ist auch begründet. Das politische Geschäft ist so „dreckig“ – damit komplett aufzuhören, seine Sachen zu packen und auszuwandern, wird da schon zur Option. Es ist erkennbar, wenn sich in Deutschland nicht Wesentliches ändert, dann geht es so weit bergab, dass die Lebensqualität hierzulande mit der bisherigen keineswegs zu vergleichen sein wird. Ich habe mich aber entschieden, weiterhin den Mund aufzumachen, solange das noch möglich ist. Menschen, die die Freiheit und Selbstbestimmung lieben, müssen in Deutschland sehr viel lauter werden. Und gerade die Leute, die ihre Argumente einbringen, müssen sich politisch engagieren. Es geht darum, frei reden und argumentieren zu können. Es geht darum, dass Politik sich wieder am Wählerwillen orientiert. Eigentlich sollen die Parteien an der Willensbildung des Volkes mitwirken. So steht es im Grundgesetz. Wenn wir uns die Realität angucken, bestimmen in Deutschland die führenden Köpfe in den Parteien, was in unserem Land passiert. Es passiert das, was in den Zentralen der regierenden oder indirekt mitregierenden Parteien beschlossen wird. In den Regierungsfraktionen wird das dann durchgepeitscht – komme, was wolle. Nur bloß nicht gegen das eigene Gesetz abstimmen. Fraktionsdisziplin! Wenn man von der Politik in Deutschland spricht, dann ist es eine sehr kleine Clique, die die Macht in der Hand hält.

Ralf M. Ruthardt

Welche Bedeutung haben an der Stelle die Medien? Mir kommt es oftmals so vor, als ob die sogenannte vierte Gewalt manchmal fast schon die erste Gewalt ist. Es richten sich Leute in der Politik danach aus, in den Medien nicht negativ aufzufallen. Und die Medien ihrerseits brauchen möglichst hohe Impressions bzw. Kickraten, um sich über Werbeeinnahmen zu finanzieren oder um im internen Wettbewerb der Bessere zu sein. Am Ende hat es dann zu oft mit einer sachlichen Berichterstattung wenig zu tun. Und bei den angesprochenen Leuten, die Regierungsverantwortung haben, blickt man wohl immer mit mindestens einem Auge darauf, dass man ansprechend ankommt. Nicht nur inhaltlich, sondern – wie wir unter anderem seit Annalena Baerbock wissen – auch ästhetisch optimiert auftritt.

Joana Cotar

Gerade bei DIE GRÜNEN sieht man exemplarisch ganz gut, wie wichtig die Medienarbeit ist. Auf den Sommerreisen 2025 sitzen Leute von DIE GRÜNEN im Zug auf dem Fußboden. Da könnte man schon erkennen, dass es eine choreografierte Inszenierung ist. Die Medien sind tatsächlich diejenigen, die das Ganze noch am Laufen halten. Die Journalisten sollten ihren Job machen und den Finger in die Wunden legen. Kritisch nachfragen und erkenntnisbereichernde Recherche betreiben. Nicht selber Politik und eine Haltung verkaufen wollen, sondern berichten, was tatsächlich ist. In diesem Fall wäre in Deutschland wohl einiges anders als heute. Aber die Medien scheinen sich weitgehend an die Politik angepasst zu haben. Kein Wunder, wenn man sich anschaut, wer beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeitet. Da ist viel grüne und linke Haltung im Spiel.

Ralf M. Ruthardt

Für meinen ersten Roman „Das laute Schweigen des Max Grund“ und für den aktuellen Roman „Untergang der GREEN“ habe ich intensiv recherchiert. Die Verzahnung von Politik und Medien – und da rede ich nicht nur anlässlich von Sommerfesten in den Landesvertretungen in Berlin – erscheint mir zu eng und geradezu abstoßend. Es gibt nach meiner Einschätzung eine Symbiose zwischen politischen Mandatsträgern und Entscheidern und zwischen Menschen, die in den Medien was zu sagen haben, die für mich als einfachen Demokraten kaum aushaltbar ist.

Joana Cotar

Wenn Sie dann noch überlegen, dass Leute aus den Medien anschließend Regierungssprecher werden können. Bei solchen Optionen will man sich doch eher nicht mit Kritik an Politik reiben. Schließlich könnte sich ja dort irgendwann ein lukrativer Job ergeben. Das dürfte es eigentlich nicht geben: Diese Drehtür zwischen Politik und Medien.

Ralf M. Ruthardt

Und dann sind da noch die „Tagesschau“ und andere Apps für die Smartphones. Dieser Tage habe ich mit einem Soziologen geredet. Dieser meinte, dass viele junge Leute in Umfragen sagen: Ich habe die Tagesschau-App und dadurch bin ich gut informiert. Die eigene Meinungsbildung durch verschiedene Quellen abzusichern, ist offensichtlich der Zeit wegen oder weil man es an den Schulen und im Elternhaus nicht vermittelt bekommen hat, gar nicht mehr üblich.

Joana Cotar

Mir fällt generell auf, dass wir uns ganz gerne in unseren eigenen Blasen bewegen. Also, sowohl die Leute, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk folgen, als auch diejenigen, die sich in den Social Media – oftmals maßgeblich bei X – informieren. Hier müsste man die Frage nach der Medienkompetenz stellen.

Ralf M. Ruthardt

Das Wort Perspektivenwechsel ist einer meiner Lieblingsbegriffe. Er hat so etwas Hoffnungsvolles: Dort, wo man die Perspektive wechselt, lernt man sein Gegenüber besser zu verstehen – und kommt damit einem Konsens näher. Es ist ja für mein Magazin MITMENSCHENREDEN eine wesentliche Aufgabe, den Perspektivenwechsel den Leserinnen und Lesern anzubieten. So hatten wir beispielsweise Katrin Henneberger im Interview. Einer ihrer Kerngedanken war, dass Menschen, die die AfD wählen, nicht verziehen werden könne.

Joana Cotar

Ist ja irre.

Ralf M. Ruthardt

Ich fand es hochinteressant. Denn auf meine Nachfrage nach beispielsweise dem Umstand, dass die Partei auf dem Wahlzettel steht, blieb Katrin Henneberger bei ihrer Sicht der Dinge: Es könne diesen Leuten nicht verziehen werden. Ich bin ob dieser harten Ansage etwas erschrocken gewesen, gleichwohl es ein schönes Gespräch mit einer sehr sympathischen Katrin Henneberger gewesen ist. Nun bin ich von der Idee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ein wahrhaftiger Fan. Warum? – Weil man dort nicht von potenziellen Werbeeinnahmen getrieben sein muss. Man könnte journalistisch arbeiten und sich auf Berichterstattung und Kommentare fokussieren. Man stelle sich vor, dort wären vor allem Menschen, die Freude an einer möglichst objektiven Berichterstattung hätten. Berichten, was ist! Man stelle weiter vor, da wären Leute, die die Demut hätten, nicht einkommensmaximierend arbeiten zu wollen. Menschen, die nicht vor Eitelkeit strotzen oder sich als politisch ausschlaggebend erleben wollen. Wie inspirierend und bereichernd sind meine Geschäftsreisen gewesen, auf denen ich am sehr frühen Morgen und am späten Abend vom Deutschlandfunk über die Geschehnisse des Tages informiert wurde! Und heute leide ich geradezu, weil ich ständig wachsam sein muss, dass ich keinem Framing zum Opfer falle. Kann ich bitte „meinen“ Deutschlandfunk wieder zurückhaben? – Haben Sie, liebe Frau Cotar, einen Zauberstab? (lacht)

Joana Cotar

Ja, wenn wir so einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk hätten, wäre es ja toll. Aber das ist er nun mal nicht und diesen Zauberstab habe ich noch nicht gefunden. Deshalb lassen Sie uns über das reden, was geht: Keine Zwangsabgaben für den Rundfunk! Und wenn schon einen ÖRR, dann bitte eine journalistisch gute Berichterstattung. Es braucht keine Kochsendungen und keine Unterhaltungsserien auf Kosten der Beitragszahler. Vielleicht würde darin ein Kompromiss liegen, um neutrale Nachrichten zu bekommen und nicht komplett eingefärbt und mit Erziehungsauftrag. Und noch ein Punkt: Viele der Journalisten arbeiten freiberuflich oder jedenfalls ohne eine gesicherte Festanstellung. Da ist schon Druck drin – und man will seine Einkommensquelle nicht verlieren. Das ist nachvollziehbar, macht aber nicht frei. Jedenfalls können wir festhalten, dass in Deutschland an vielen Stellen große Herausforderungen auf uns warten und wir als Menschen uns einmischen und einbringen müssen.

Ralf M. Ruthardt

Ihren Hinweis auf unsere Bürgerrechte und Ihren Appell, unseren Bürgerpflichten nachzukommen, nehmen wir als Schlusswort und entlassen Leserinnen und Leser in die selbstbestimmte Meinungsbildung. – Herzlichen Dank, Joana Cotar, für das Gespräch.

Zur Person

Joana Cotar war von 2017 bis 2022 Bundestagsabgeordnete der AfD und bis März 2025 fraktionslos tätig. Seit ihrem Ausscheiden engagiert sie sich öffentlich über Interviews und soziale Medien für mehr bürgerliche Freiheiten.

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