In seiner Rezension zu „Das laute Schweigen des Max Grund“ beleuchtet Christian Langer die gesellschaftspolitische Relevanz des Romans. Er zeigt, wie präzise der Text die innere Zerrissenheit vieler Bürger einfängt – und warum der Ruf nach offenem Dialog heute dringlicher ist denn je.
Zwischenzeitlich sind zwei der Romane von Ralf M. Ruthardt von Prof. Dr. Erick Behar-Villegas ins Spanische übersetzt und dort bei Fundalib (Madrid) erschienen.
Wer ist Max Grund, der Titelheld des Buches von Ralf M. Ruthardt? Und was bedeutet der Titel „Das laute Schweigen des Max Grund“?
Ruthardt bettet seinen Protagonisten in eine Geschichte ein, die im Frühjahr 2023 beginnt. Max Grund, Familienvater von drei jungen Erwachsenen und beruflich als IT-Unternehmer tätig, spürt, dass in der Gesellschaft – insbesondere seit der Pandemie – etwas grundlegend nicht mehr stimmt. Schnell wird dem Leser klar: Mit dem „lauten Schweigen“ sind all jene Gedanken gemeint, die viele liberale, wertkonservative Bürger täglich bewegen. Max’ Gedanken kreisen unaufhörlich, wie in einem Hamsterrad. Er versucht, Ordnung in seine Überlegungen zu bringen, anstatt sie einfach vorbeiziehen zu lassen.
Was ist es also, das ihn umtreibt? Es ist die gespaltene Gesellschaft. Die Meinungsfreiheit hat gelitten, ein vernünftiger Diskurs scheint kaum noch möglich. Unliebsame Meinungen werden niedergeschrien, viele Menschen sagen nicht mehr, was sie denken – sie schweigen. Entweder, weil sie sich ihrer Meinung nicht sicher sind oder weil sie sich nicht ausreichend mit den Missständen in der Gesellschaft auseinandersetzen wollen.
Max Grund geht mit den öffentlich-rechtlichen Medien hart ins Gericht. Für ihn sind sie zur Qual geworden, da sie nicht mehr ausgewogen berichten, sondern desinformieren, manipulieren und nur eine vermeintliche Wahrheit verbreiten. Dabei möchte er sich doch selbst eine Meinung bilden – ohne bevormundet zu werden.
Ein besonders eindrückliches Kapitel (#6 „Endlich in einer Talkshow“) schildert einen Traum: Max bewirbt sich bei einer bekannten Talkshow des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – und wird tatsächlich eingeladen. Zunächst zögerlich, dann immer bestimmter bringt er seine Argumente vor. Die öffentlich-rechtlichen Sender gehören der Gesellschaft, den Bürgern – sie sind die eigentlichen „Chefs“. Es sei nicht Aufgabe der Sender, eine „Wahrheit“ zu verkünden, sondern den Diskurs ausgewogen zu gestalten und professionell zu moderieren. Die Meinung des anderen müsse man gelten lassen. Max weiß: Genau das geschieht heute nicht mehr.
Auch außenpolitisch bezieht er Stellung. Deutschland solle aufhören, seine Weltanschauung zu exportieren, sondern anderen Ländern überlassen, ihren eigenen Weg zu gehen: „Deutschland braucht kein Lehrer zu sein.“ Unser Verständnis von Demokratie müsse nicht überallhin exportiert werden – andere Länder haben andere kulturelle Hintergründe, Entwicklungen und Gesellschaftsentwürfe (S. 92).
Zur Klimapolitik stellt Max fest, dass Deutschlands Maßnahmen das Weltklima nicht retten werden (S. 111). Die politischen Entscheidungen der letzten Jahre erscheinen ihm ideologisch fehlgeleitet. Er fragt sich, ob Deutschland wirklich den Rest der Welt retten muss (S. 115). Muss sich die Wirtschaft deindustrialisieren und den Ast absägen – zugunsten einer ideologischen Überzeugung? (S. 118). Solche Überlegungen finden sich in den Kapiteln #8 („Heimspiel“) und #9 („Die Rettung der Welt“).
Auch die Migrationspolitik wird thematisiert – im Kapitel #11 („Alle sind willkommen“). Max und seine Familie engagierten sich zunächst in der Flüchtlingshilfe. Doch inzwischen ist ihm klar geworden: Man kann nicht allen Menschen dieser Welt helfen (S. 148).
Sind Max’ Gedanken nur eine Aneinanderreihung von Kritikpunkten? Nein. Zwar benennt das Buch viele Schwächen unserer Gesellschaft, doch Max schlägt auch zahlreiche vernünftige Gegenmaßnahmen vor (z. B. S. 82).
Im Zentrum steht für ihn jedoch eines: Menschen müssen wieder miteinander reden – und nicht schweigen! Immer wieder tauchen Sätze auf wie: „Wir müssen reden“, „Wir dürfen nicht schweigen“ – verbunden mit dem Appell, Argumente mit Zeit, Konzentration und Toleranz für Andersdenkende auszutauschen.
Als Leser spürt man, wie sehr Max Grund bemüht ist, seine Gedanken zu ordnen – und wie einsam er sich dabei fühlt. Er möchte handeln, nicht tatenlos zusehen, weiß aber nicht genau, wie. Seine Kinder will er mit seinen Sorgen nicht belasten, doch er erkennt, dass die beschriebenen Entwicklungen ihre Zukunft gefährden.
Schweigt Max Grund wirklich? Nein. Er postet gelegentlich seine Gedanken – was ihm beruflich Schwierigkeiten einbringt. Dreimal wird beiläufig ein „schwarzer Sprinter mit verdunkelten Scheiben“ erwähnt, der ihm auffällt. Ob dieser dunkle Schatten tatsächlich eine Bedrohung darstellt, bleibt offen – das muss der Leser selbst herausfinden.
Mit „Das laute Schweigen des Max Grund“ ist Ralf Ruthardt ein besonderer Roman gelungen. Die Gedanken des Protagonisten werden viele liberal und bürgerlich gesinnte Leser ansprechen. Für diesen Leserkreis ist es wohltuend, vertraute Sichtweisen, Bewertungen und Positionen strukturiert und treffend formuliert wiederzufinden. Das Buch liest sich flüssig und anregend. Die zentrale Botschaft: Redet wieder miteinander – auch mit Andersdenkenden! Schweigt nicht! Tauscht Argumente aus und lasst andere Meinungen zu!
Es überrascht nicht, dass der Autor ein eigenes Magazin mit dem Titel „Mit Menschen reden“ herausgibt.
Als Mitglied der Hayek-Gesellschaft und Rezensent dieses Romans ist es für mich nur konsequent, diesem Buch eine uneingeschränkte Leseempfehlung auszusprechen. Es wird aber auch viele Menschen erreichen, die sich bislang nicht gesellschaftspolitisch engagiert haben.


