Bagus’ Buch Die Ära Milei - Argentiniens neuer Weg porträtiert Mileis Weg zur Präsidentschaft und erläutert wirtschaftsliberale Ideen verständlich. Hier eine Rezension von Christian Langer.
Prof. Dr. Philipp Bagus, Professor für Volkswirtschaftslehre an der spanischen Universität Juan Carlos in Madrid und Mitglied der Hayek-Gesellschaft, hat Ende September ein erfrischendes Buch veröffentlicht mit dem Titel „Die Ära Milei – Argentiniens neuer Weg“. Es war auch Bagus’ persönlichem Kontakt zu Milei zu verdanken, dass der argentinische Staatspräsident während der diesjährigen Hayek-Tage Ende Juni nach Hamburg kam und die Hayek-Medaille erhielt.
Das Vorwort bildet den Vortrag ab, den Milei zur Verleihung der Hayek-Medaille hielt – das Nachwort schrieb Dr. Markus Krall und geht der Frage nach, ob das neue Modell Argentinien auf Deutschland und Europa übertragen werden kann.
Für einen Ökonomie-Professor ist der Schreibstil flüssig und leicht lesbar verfasst – das war sicher bewusst so geschrieben, da der Inhalt damit einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden kann.
Das Buch ist mit seinen 260 Seiten in fünf Kapitel unterteilt. Das erste Kapitel stellt Milei als Person vor, beschreibt zunächst sein familiäres Umfeld und anschließend sein Ökonomie-Studium an der Universität Belgrano (Buenos Aires). Dabei muss er wie in den meisten Mainstream-Studiengängen die Neoklassik und den Keynesianismus über sich ergehen lassen, den er anfänglich auch annimmt. Alles änderte sich schlagartig, als er Schriften von Rothbard, Mises und Hayek entdeckt, davon „elektrisiert“ und Anhänger der österreichischen Schule wird. Es fällt ihm wie Schuppen von den Augen und er erkennt, woher die jahrzehntelange Misere in Argentinien rührt.
Trotz des Risikos, dass Politik den Menschen korrumpieren kann, entscheidet er sich, in die Politik zu gehen. Trotz immenser und teils unfairer Widerstände der bestehenden Politikerkaste wird seine im Jahr 2021 gegründete Partei „La Libertad Avanza“ (übers. Die Freiheit schreitet voran) schnell erfolgreich und Milei erreicht sein Ziel im November 2023, mit 56 % Wählerstimmen, argentinischer Staatspräsident zu werden. Die intensive Nutzung der sozialen Medien ist entscheidend dafür, dass sich ein Großteil der jungen Wähler für Milei entscheidet.
Bagus beschreibt die Situation Argentiniens vor Mileis Präsidentschaft. Das Land, Ende des 19. Jahrhunderts zu den reichsten Ländern weltweit gehörend, wurde in den nachfolgenden Jahrzehnten abgewirtschaftet. Dies geschah durch den Peronismus, Militärregierungen und ausufernden Staatsinterventionismus, der gleichzeitig eine korrupte Politikerkaste hervorbrachte.
Milei verstand es, die Inhalte der österreichischen Schule insbesondere den jungen Menschen verständlich zu machen, damit die aktuellen Missstände zu erklären und Lösungen vorzuschlagen. Beherrschend dabei ist die Betonung darauf, dass der Staat nicht die Lösung ist, sondern das Problem. Wie einst Hayek den Begriff der „sozialen Gerechtigkeit“ angriff, so sieht Milei den Staat als Hauptverantwortlichen, der die Umverteilung gezielt dafür nutzt, sich unter dem Deckmantel dieser sozialen Gerechtigkeit die Gefolgschaft der Bevölkerung zu sichern. Im zweiten Kapitel (die Symbiose des Paläolibertarismus) schreibt Bagus darüber, wie Javier Milei grundsätzlich „tickt“. Er geht auf das heute typische Rechts-Links-Schema ein und kommt zum Ergebnis, dass Milei sich heute als erster liberal-libertärer Präsident der Welt und Minimalstaatler bezeichnet.
Im nächsten Kapitel macht Bagus einen lesenswerten Ausflug in die Welt des Kulturkampfes und Kulturmarxismus. Statt die Gesellschaft nach marxistischer Manier in Klassen zu unterteilen (funktionierte bekanntlich bisher nicht), gibt es laut Bagus jetzt einen Kampf, um unterdrückte Gruppen zu befreien. Die Erwähnung der Frankfurter Schule darf dabei natürlich nicht fehlen. Kampfbegriffe dabei sind Feminismus, Rassismus, Kolonialismus, Genderismus, Klimawandel und Ökologie. Der weiße Ritter ist in der Folge der Staat, der den Unterdrückten zu Hilfe kommt.
Das vorletzte Kapitel stellt die Auszüge der österreichischen Schule vor, die Milei doch so entscheidend geprägt haben und die in seiner aktuellen Politik eine gewichtige Rolle spielen. Freihandel, Monopole, unternehmerischer Akt – der Unternehmer ist gemäß der diesjährigen Rede Mileis in Davos ein Held – Wirtschaftsrechnung im Sozialismus (Mises), Interventionismus und Fürsorgestaat sind Begriffe, auf die Bagus kurz, aber für jeden verständlich eingeht.
Im letzten Kapitel geht Bagus auf die Frage ein, ob Mileis Erfolge eine globale Blaupause sein können. Er weiß, dass Mileis Politik eine Schocktherapie bedeutet und verweist auf die Situation Deutschlands kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Land ökonomisch, sozial, moralisch und politisch an einem Tiefpunkt war. Ludwig Erhard, mittelbar von den Ideen der österreichischen Schule beeinflusst, setzte sich mit seinen liberalen Ideen durch und verhalf zum deutschen Wirtschaftswunder.
Wird dies auch Argentinien gelingen? Können wir danach etwas von Milei lernen? Bagus beantwortet diese Frage mit „ja“ und gibt in den letzten Seiten fünf Hinweise darauf, was aktuell bei uns getan werden könnte, um aus der Sackgasse zu kommen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Bagus mit diesem Buch eine beachtenswerte Veröffentlichung gelungen ist. Der Leser versteht nach der Lektüre, wer Milei ist, welche Ideen er vertritt und was ihn antreibt. Gleichzeitig ist es eine gut verständliche Einführung in die österreichische Schule und seine Vertreter.
Daher: eine absolute Leseempfehlung.
Zur Person
Christian Langer (*1967), Diplom-Kaufmann Univ., ist Mitglied der Geschäftsleitung eines mittelständischen Unternehmens. Er ist Vorsitzender des Hayek-Clubs Trier-Luxembourg e. V. und Mitglied der Hayek-Gesellschaft.


